Als wir damals in froher Erwartung unserer Erstgeborenen waren, stand es ausser Frage, dass ich auch als Mama weiterarbeiten würde. Wir trafen diese Entscheidung gemeinsam – und bewusst. Es war nicht nur der finanzielle Aspekt, der uns zu diesem Entschluss führte, sondern unsere Lebenseinstellung. Unsere Lebenswelt. Eine Welt, in der es Frau und Mann, Mama und Papa, gleichermassen gestattet und ermöglicht sein sollte, sich und seine beruflichen Träume entfalten und leben zu dürfen. Ungeachtet des Geschlechts, der Familienrolle, des Jobs oder des Einkommens. Dies war und ist bis heute unsere Definition eines modernen Familienlebens.

Familie und Beruf will „geplant“ sein

Da sassen wir also, mit dem Wunsch zur Familienplanung – vor über drei Jahren. Wir sprachen über Wünsche und Erwartungen, Vorstellungen des Familienlebens und wägten Optionen für die Kinderbetreuung ab. Wir sprachen über die Rollenverteilungen und malten uns Strategien aus, wie wir den Familienalltag organisieren würden. Und es wurde klar: Ein Baby zu bekommen war die eine Sache. Die damit einhergehende Maschinerie mit Arbeitszeiten, Kinderbetreuung und Alltagswahnsinn zu bewältigen, die andere. Und schnell haben wir erkannt: Es ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens. Aber allem voran: Eine Frage der Planung und guten Organisation.

Die gute, alte Rollenverteilung

Lassen wir den biologischen Teil von Mama und Papa einmal weg. Für die elementare Frage der Rollenverteilung haben wir uns gefragt: Wer bleibt mit den Kindern an welchen und wie vielen Tagen zu Hause? Ein konventionelles Familienmodell, in dem die Mutter mit den Kindern zu Hause bleibt, kam für uns nie in Frage. Nicht, weil wir dieses Konzept in irgend einer Weise schlecht finden würden. Nur passt es nicht zu uns. Zu unserem Leben. Und unseren Jobs.

Als Marketing- und Kommunikationsspezialistin habe ich in meinem Beruf schon immer eine Berufung gefunden, die mich erfüllt. Meine Arbeit aufzugeben würde bedeuten, einen Teil von mir aufzugeben. Das sollte und möchte ich nicht tun müssen, auch nicht als Mutter. Dasselbe gilt für meinen Mann, welcher als Vollblutgastronom der Geschäftsführer eines Restaurants ist. So haben wir uns entschieden, unser eigenes Familienmodell einzuführen, in dem die Rollenverteilung hinsichtlich der Kinderbetreuung und des „Geldeintreibers“ von beiden Seiten gewährleistet wird. Und dies so fair als möglich, in dem unsere Mama- und Papatage, aber auch die Arbeitspensen praktisch identisch sind.

Ein Leben wie in einer Wohngemeinschaft

Zugegeben, eine stinknormale Arbeitswoche ist bei uns ziemlich durchorganisiert. Das muss sie auch sein, denn während mein Beruf sich durch ein gewöhnliches 8-5-Arbeitszeitmodell auszeichnet, arbeitet mein Mann von Montag bis Freitag mit der klassischen Zimmerstunde eines Gastronomen, heisst: er arbeitet von 08.00-14.00 Uhr und von 18.00 Uhr bis open end. Und so bestreiten wir unseren Familienalltag ähnlich einer Wohngemeinschaft – der eine kommt, der andere geht. Der grosse Vorteil an dieser Konstellation ist und bleibt die Dynamik in unserer Beziehung und unserem Familienleben. Mit Kindern bedeutet es zudem, dass Papa an den Nachmittagen für ein paar Stunden zu Hause ist, was wiederum Papazeit schafft. Der Nachteil jedoch liegt in der fehlenden Familienzeit am Abend, unserer Zeit als Paar und die Eingeschränktheit, wenn wir als Familie unter der Woche spontan etwas unternehmen möchten. Einer von uns Elternteilen fehlt immer – am Tag und am Abend.

Eine gewöhnliche Arbeitswoche bei uns…

…ist somit aufgeteilt in Mamatage, Papatage und Fremdbetreuung der Kinder. Die Woche beginnt mit meinen beiden Mamatagen am Montag und Dienstag. Mittwoch – Mitte der Woche – ist bei uns doppelter Schlagabtausch: Es ist unser Papatag und mein erster von drei Arbeitstagen, die ich für eine Klinikgruppe arbeite. An meinem Feierabend gegen 17.30 Uhr übernehme ich wiederum die Kinder und Papa fährt um 17.45 Uhr ins Restaurant, um den Abendservice zu leiten. Eine Viertelstunde für die Übergabe muss reichen – darin sind wir Weltmeister. Donnerstag und Freitag sind schliesslich unsere zwei Arbeitstage, die wir mit einer externen Kinderbetreuung abdecken. Und wir könnten glücklicher und dankbarer nicht sein, unsere Kinder inklusive Marley meinen Eltern anvertrauen zu dürfen, sodass sie nicht nur ganz viel Oma- und Opazeit haben, sondern zeitgleich auch noch die spanischen Wurzeln und die dazugehörige Sprache mit auf ihren Lebensweg bekommen.

Und damit wäre die Arbeitswoche ja eigentlich auch schon vorbei, wäre da vor Kurzem nicht noch ein Herzensprojekt in mein Leben getreten – ein innovatives StartUp – welches ich in meiner Freizeit noch im Marketing unterstütze. Dazu will aktuell noch nicht viel verraten werden und doch ja, ich arbeite stundenweise auch noch abends, wenn die Kinder im Bett sind.

Familie und Beruf – vereinbar oder nicht?

Nun, wer bis hierhin gelesen hat wird bemerkt haben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durchaus möglich ist – auch in höheren Funktionsstufen und auch mit Schichtzeiten und mehreren Jobs. Und doch will die Frage nicht leichtsinnig mit einem Ja beantwortet werden. Denn zum einen ist die Vereinbarkeit oft nicht von den Wünschen der Eltern selbst, sondern von ihren Berufen, ihren Funktionen, ihren Arbeitgebern, den Möglichkeiten für eine Kinderbetreuung, finanziellen Aspekten und weiteren Einflüssen abhängig. Zum anderen bedingt die Vereinbarkeit eine durchdachte Organisation und gute Kommunikation zwischen den Eltern, aber auch mit den Arbeitgebern und der Kinderbetreuung.

Ich finde ja, das einfach alles möglich ist, wenn der Wille vorhanden ist. Ob jetzt der Papa oder die Mama der Hauptverdiener in der Familie ist, einer oder beide arbeiten, die Kinder fremdbetreut werden oder nicht und zu wie viel Prozent- am Ende des Tages zählt nicht die Quantität des Familienlebens, sondern die Qualität.

Bilder © roots4wings