Vorbei ist er, der bisher schönste Lebensabschnitt meines Lebens: mein Mutterschaftsurlaub mit meiner Perle! Voller Freude, Liebe und ebenso grosser Wehmut blicke ich auf die vergangenen sieben Monate zurück, die einfach alles verändert haben, die mich verändert haben. Ich bin Mama. Und diesen Titel trage ich voller Stolz.

Es kommt mir vor, als wäre ich erst gestern bei meiner Gynäkologin zur Schwangerschaftskontrolle gewesen. Ich blickte auf den Monitor, wo ich unsere kleine Perle zappeln und wackeln sah. Sie streckte die Zunge raus und da plötzlich: Sie gähnte, als wäre sie müde vom elenden Platzmangel in meinem Bauch. „Alles im grünen Bereich, Ihr Baby gedeiht hervorragend“, hatte meine Ärztin des Vertrauens gesagt. Aber ich sollte von nun an mit meinem Arbeitspensum reduzieren, da der Arbeitsstress bereits Vorwehen und starke Rückenschmerzen hervorgerufen hatte. „Diese Woche noch 50%, danach schreibe ich Sie für die verbleibenden vier Wochen zu 100% krank“, teilte sie mir mit einem besorgt-belehrenden Blick zu. Ich watschelte ins Büro, in Gedanken an meine verbleibenden arbeitsfreien Wochen in stiller Harmonie mit meinem Babybauch und meiner Perle darin. Ach, wie ich mich auf diese Zeit gefreut habe! „Aber, aber, liebe Frau M. Was haben Sie denn angestellt?“, war das Nächste, was mir meine Gynäkologin mit einem aufmunternden Lächeln zuwarf. Es war der darauffolgende Tag, im Gebärsaal. Denn in derselben Nacht war die Fruchtblase geplatzt. Meine Perle wollte raus. Raus, in die grosse, weite Welt. Und sie kam, quasi vom Bürotisch auf die Gebärliege. Von jetzt auf gleich wurde ich zur Mama.

Unsere Herzen platzten vor Liebe und Stolz, als wir unsere Perle fünf Wochen früher als geplant in den Armen hielten. In unseren Augen das schönste Kind der Welt, natürlich. Ich werde jedoch nie vergessen, wie unser Frühchen in ihrer ersten Lebensstunde durch die Sauerstoffmaske atmen musste, um ihre Lungen zu weiten. Auch nicht, wie sie in ihrer ersten Lebenswoche Tag für Tag mit einer Spritze an ihren zarten Füsschen gepiekst werden musste, um ihr Blut abzunehmen und dieses auf die hoffentlich besseren Gelbsuchtwerte zu untersuchen. Wenn ich eines durch diese stürmischen, emotionalen und bangenden ersten Tage gelernt habe, dann, dass ich mich bei einer nächsten Schwangerschaft viel mehr schonen und Stress abbauen würde. Eine zweite Schreibtischgeburt wäre des Guten definitiv zu viel!

Mit dem ersten Lebenstag unserer Perle hat sodann auch mein Mutterschaftsurlaub begonnen. Na ja, ein Urlaub war es ja nicht gerade, jedenfalls nicht am Anfang. Wie man es so oft von Hebammen und bereits gestandenen Müttern hört, waren auch bei uns die ersten drei Monate eine intensive Zeit des Kennenlernens mit vielen Hochs und Tiefs. Von kurzen Nächten zu Stillproblemen bis zur Babyflasche, von Ermüdung zu Überforderung bis zum heulenden Elend, von unendlich tiefer Liebe bis zu allerhöchsten Glücksgefühlen waren Emotionen jeglicher Art vertreten. Nachdem wir diese erste Etappe überstanden hatten, normalisierte und beruhigte sich unser Leben erneut. Mit Beginn des dritten Lebensmonats waren wir bereits mit langen Nächten gesegnet, was uns die fehlende Energie aus den Vormonaten zurückschenkte. In unserem Fall trugen zwei wesentliche Dinge dazu bei, dass unsere Perle ab neun Wochen zehn Stunden durchschlief: die Babymilchnahrung (da wir wegen den Stillproblemen umstellen mussten) und ihr Schlafplatz in ihrem eigenen Bettchen im Babyzimmer.

Mit einem neu eingespielten Lebensrhythmus zeigten wir unserer Perle dann öfters die Schönheiten dieser Welt ausserhalb der eigenen vier Wände. Wir besuchten Freunde, machten Ausflüge in die Schweizer Berge, fuhren für ein paar entspannende Tage in den Schwarzwald, reisten nach Spanien und zuletzt noch nach Menorca. Auch haben wir unsere Perle ab dem vierten Lebensmonat regelmässig an die Omas zum Babysitten gegeben, damit wir etwas „Wir-Zeit“ nur zu zweit oder mit unserer Hündin Marley geniessen und ich mich um meine beiden Pferde kümmern konnte.

Zur Freude meines Selbstwertgefühls purzelten irgendwann auch noch die letzten Kilos aus der Schwangerschaftszeit, sodass ich meine Umstandsmode endlich in eine Kiste verpacken und meine früheren Lieblingsstücke wieder hervorkramen konnte. Das Allerschönste an dieser ganzen Zeit im Mutterschaftsurlaub waren jedoch die Meilensteine, die unsere Perle Monat für Monat erreicht hat. Vom ersten Lächeln und Köpfchen heben in den ersten drei Monaten zu den sportlichen Dreh-, Ess- und Trinkkünsten im vierten und fünften Monat bis hin zum eigenständigen Sitzen und sich auf die Füsschen hochziehen im sechsten und siebten Monat war alles mit dabei. Und die Wehmut steigt, denn mit dem Ende des Mutterschaftsurlaubs steht auch die Wiederaufnahme meines Jobs und somit die fehlende Zeit mit meiner Perle an. Aber auch dies ist ein neuer Lebensabschnitt, an den es sich erneut zu gewöhnen gilt. Und ich hoffe doch stark, dass die neue Etappe viele neue Freudenmomente und Abenteuer für uns bereithält, an denen wir gemeinsam weiterwachsen werden. 

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