Sie sind süss, sie sind verspielt, sie sind unbeschwert und man sieht sie millionenfach: Kinderfotos im Internet. Unlängst haben Eltern im digitalen Zeitalter damit begonnen, nebst ihren eigenen Bildern in Solo-Position, mit Freunden auf einer Party oder mit der besseren Hälfte im Traumurlaub, auch die Fotos ihrer Kinder auf ihre Social Media Plattformen zu stellen. Besonders bei den bilderbasierten Netzwerken Instagram und Pinterest steigt die Anzahl Kinderfotos mit jedem Tag rapide an, allen voran bei Eltern-, Mama- und Papabloggern. Verständlich, denn insbesondere bei dieser Blogger-Gattung, bei der sich der Inhalt um das Familienleben mit Kindern dreht, spielen die Kleinsten meistens die grosse Hauptrolle. Und das will gezeigt werden. Auf Bildern.

Als leidenschaftliche Mamabloggerin von roots4wings beschäftigt mich das Thema „Kinderfotos im Internet“ seit der Ankunft unserer Erstgeborenen. Denn wie es die Bezeichnung schon offenbart, blogge ich aus Sicht einer Mama über unser Familienleben mit Kleinkind. Offensichtlich also, dass unsere Perle über die Hälfte meiner Beiträge ausmacht. Und wie es sich zu einem Text gehört, will auch immer ein Bild herbeigezaubert sein.

Mein Mann und ich waren uns von vornherein einig: Ja, unsere Perle darf im Netz gezeigt werden, aber Nein, niemals von vorne, sodass das Gesicht erkennbar ist (verpixelte oder unscharfe Gesichtsaufnahmen wie hier im Titelbild ausgenommen). Gesichtserkennbare Frontalaufnahmen gehören bei uns wie bei vielen anderen Eltern ins private Fotoalbum. Bei Bildern für meinen Blog und den dazugehörigen Profilen auf Facebook und Instagram sind Seitenaufnahmen unserer Perle das Höchste der Gefühle. Das macht die Bildproduktion für Blogbeiträge und Posts natürlich nicht einfach, motiviert mich jedoch, an der eigenen Kreativität weiterzuarbeiten.

Unsere Entscheidung, das Gesicht unserer Perle nicht der Öffentlichkeit preiszugeben, hat diverse Gründe. Der für uns persönlich weit am wichtigste Grund ist, dass wir ihr Recht auf Persönlichkeit und Privatsphäre schützen und dies unter allen Umständen wahren möchten. Sie soll nicht erkennbar sein, denn man weiss nie, wer genau das Bild am Ende in zu Gesicht bekommt. Mag das Bild vom letzten Ausflug noch so schön, niedlich und ästhetisch sein, es liegt nicht in unserem Ermessen, dies der unendlichen Weite des Internets preiszugeben, ohne das Einverständnis unserer Perle dafür zu haben. Und auch wenn sie uns dieses geben würde, würden wir ihre Urteilsfähigkeit abwarten, deren Beginn zwar rechtlich in der Schweiz nicht festgelegt, aus Sicht der Kinderpsychologie jedoch erst ab ca. 12 Jahren zu erwarten ist. Nicht zuletzt möchten wir unter allen Umständen vermeiden, eines Tages von unserer Perle zusammengefaltet zu werden, weil sie sich für ein Bild von ihr schämen würde. Sei es wegen des Gesichtsausdrucks, einer falsch gekämmten Haarsträhne oder sonstigem.

Wie gesagt sind dies unsere persönlichen Beweggründe, keine Fronatlaufnahmen unserer Perle ins Netz zu stellen. Ganz nach dem Motto „Leben und leben lassen“ respektiere ich jedoch die Ansichten und Beweggründe anderer Eltern, wenn diese die Gesichter ihrer Kinder im Internet zeigen. Es ist mir ein Anliegen, dass dieser Beitrag als Meinungsbeitrag verstanden wird und im besten Fall zu Diskussionen anregt. Denn ich finde es wichtig, gerade als Mamabloggerin und Kommunikationsschaffende, solch polarisierende Themen aufzugreifen und seine aufrichtige Meinung sagen zu dürfen. Nicht zuletzt daher, weil meine berufliche Medienkompetenz mich täglich mit den Risiken des Internets konfrontiert. Am Ende des Tages zählt für Eltern aber ohnehin nur das Eine: Die Kinder zu schützen, egal vor wem oder was.

Bild @ roots4wings