Für all meine Freundinnen und Bald-Mamas auf dieser Welt.

Mit dem Ende der Schwangerschaft steht für jede werdende Mama irgendwann die Geburt vor der Tür. Dieses grosse Ereignis läutet das Ende einer Ära ein, eine der wohl aufregendsten Zeit im Leben einer Frau. Das kleine Wunder, das sich über Monate im Mamabauch vom ersten Zellhaufen zu einem kleinen Menschlein entwickelt hat, will raus in die grosse, weite Welt. Ein Grund zum Feiern, könnte man meinen. Und doch blicken die meisten Bald-Mamas mit Sorgen und oftmals grossen Ängsten diesem magischen Moment der Geburt entgegen, denn aus Hollywood-Filmen und Geburtsberichten bereits gestandener Mamas prägen sich die schlimmsten Befürchtungen in unseren Köpfen ein: Schmerzen, Schmerzen und noch mehr Schmerzen. Kein Wunder also, dass viele Schwangere mit Angst und schlaflosen Nächten der Geburt entgegenblicken. Zu Unrecht, wie ich meine. Denn mit einem einfachen Trick können Geburtsängste schnell in Vorfreude verwandelt werden: mit Bildern.

Die Macht von Bildern hat sich schon oft als hilfreich erwiesen. Sie erweitert unsere Vorstellungskraft und beeinflusst unser Empfinden in vielerlei Hinsicht. Im Hinblick auf die Geburt kann ein mentales Kopfkino die Angst vor Schmerzen verringern und ein Gefühl der Sicherheit bewirken. Fakt ist, Schmerzen gehören zu einer Geburt, denn diese werden durch Wehen erzeugt. Doch die Geburt ist kein Kampf gegen die Wehenschmerzen, sondern die Wehen sind der Weg der Geburt. Im Folgenden verrate ich euch, mit welchen Bildern ich mir die Wehenschmerzen mental vorgestellt habe und so die Geburt unserer Perle als das wundervollste Erlebnis meines bisherigen Lebens erleben durfte. 

0 * DER BEGINN

Aller Anfang der Geburt beginnt in der Regel mit dem Platzen der Fruchtblase. Anders als es in Filmen dargestellt wird, fliessen jedoch keine Kubikliter aus euch raus, noch beginnen eben in diesem Moment die starken Wehen. Ihr müsst auch nicht panisch die Kliniktasche packen und euch mit 180 Sachen auf ins Spital machen. Ruft eure Hebamme oder Ärztin an, packt in Ruhe eure sieben Sachen und falls ihr mögt, könnt ihr sogar noch kurz duschen, bevor es los geht. Warmes Wasser hilft sogar, die Geburt voran zu treiben.

1 * DIE ERÖFFNUNGSPHASE

Über kurz oder lang werdet ihr ein Ziehen im Unterleib spüren. Ich konnte mir ja nie vorstellen, wie sich Wehen anfühlen und war dann sichtlich überrascht, dass ich dieses Gefühl bereits kannte. Es ist das gleiche Ziehen wie bei normalen Menstruationsbeschwerden. Die Wehen werden erst in unregelmässigen, dann in regelmässigen Abständen kommen. So öffnet sich denn auch mit jeder neuen Wehe der Muttermund ein wenig mehr. Das tut dann natürlich mit der Zeit auch ganz schön weh. Aber keine Angst, jetzt das Kopfkino:

Stell dir vor, du bist an einem Strand. Du blickst hinaus aufs Meer, den Blick auf den Horizont gerichtet. Die Sonne erwärmt deine Haut und spendet dir Energie. Du weisst, dass du in den nächsten Stunden ein Wunder der Natur erleben wirst. Eine Naturgewalt in Form eines Wellenspiels. Die Wellen werden deine Wehen sein. Und du wirst sie eine nach der anderen besiegen, weil du es kannst! Die ersten Wehen kommen leicht und dauern nur ganz kurz, genau wie im Bild oben.

2 * DIE ÜBERGANGSPHASE

Nach einer Weile wirst du spüren, dass die Wehen regelmässiger kommen, stärker werden und länger andauern. Du hältst sie aber noch gekonnt in Schach, denn auch diese kannst mit deinem Willen und deiner Stärke bezwingen. Informiere deine Hebamme, wenn du Unterstützung mit Schmerzmitteln benötigst. Sie wird dir helfen, wo sie nur kann. Du bist nicht alleine.

Die Übergangsphase ist zugleich das Ende der Eröffnungsphase. Mit jedem Zentimeter, den sich dein Muttermund öffnet, kommst du dem Ende entgegen. Durchhalten liebe Mama. Die Wehen kommen jetzt in kurzen Minutenabständen und können bis zu sechzig Sekunden andauern. Betrachte diese grossen mächtigen Wehen als gigantische Welle. Sie ist beeindruckend, genau wie du! Sei stolz auf dich, denn dein Körper leistet Unglaubliches. Glaube mir, wenn ich dir sage, dass deine Schmerztoleranz über die vergangenen Stunden ganz natürlich gestiegen ist und du ohne gross darüber nachzudenken die Schmerzen instinktiv veratmest. Und wenn du denkst, du kannst nicht mehr, dann hast du es bald geschafft.

3 * DIE AUSTREIBUNGSPHASE

Du bist erschöpft, ermüdet und wünschst dir, dass die Geburt bald ein Ende findet. Wenn du am Tiefpunkt deiner Motivation zu sein glaubst, dann wird dich deine Hebamme spätestens jetzt zu Höchstleistungen anspornen. Denn jetzt, wo dein Muttermund die berühmten zehn Zentimeter geöffnet ist, darfst du vom Veratmen endlich zum Pressen übergehen. Sieh dir das Bild gleich hier oben an. Du stehst auf dem Steg, die Wellen schlagen nun konstant und voller Kraft gegen die Mauer gegen dich. Du bist in der Austreibungsphase. Dein Baby möchte raus. Und du wirst ihm dabei helfen. Dein Körper wird wie von Zauberhand neue Stärken aus dir hervorbringen und dich motivieren, über diesen Steg, den letzten Abschnitt deiner Höchstleistung, zu laufen. Hast du den Leuchtturm am Ende des Stegs erblickt? Siehst du, wie er dir zuleuchtet? Das ist dein Baby, das ist das Ende. Du hast es geschafft!

 4 * DIE NACHGEBURTSPHASE

Sieh dir jetzt noch mal das Titelbild dieses Beitrags an. Das Meer ist ruhig, die Wellen sind beinahe weg. Nur noch klein und schwach treten sie auf. Man nennt sie Nachgeburtswehen, weil sie die Plazenta von der Gebärmutterwand lösen, damit diese noch aus dir herauskommt. Aber keine Sorge, wenn du sie noch spürst, dann minimal. Denn so stark wie die Wehen in der Austreibungsphase können und werden sie nicht sein. Du wirst sie bestenfalls überhaupt nicht spüren, weil dein Fokus jetzt auf dem Geschenk auf deiner Brust liegt.

Sieh es dir an, das Wunder, dass du vollbracht hast. Du hast es geschafft! Du hast dein Baby zur Welt gebracht. Was war, ist vergessen. Denn jetzt zählt nur noch eins: Dass ihr einen wundervollen Start in euer Familienleben habt.

Bilder @ Pixabay